20.000 Meilen unter dem Meer

Roman von Jules Verne
Originaltitel »Vingt mille lieues sous les mers«
Erstveröffentlichung 1870, erste deutsche Übersetzung 1874

Der Roman wurde mehrfach verfilmt, zum ersten Mal 1907 unter der Regie von Georges Méliès. Sehr erfolgreich war die Disney-Produktion aus dem Jahr 1954, die zwei Oscars gewann (Bester Schnitt, Beste visuelle Effekte).

Inhalt

Illustration aus der Erstausgabe (1870)

Illustration aus der Erstausgabe (1870)

Seit dem Sommer 1866 häufen sich Berichte über rätselhafte Schiffsunglücke auf den verschiedenen Weltmeeren. Aussagen von Überlebenden geben Anlass zu Spekulationen über die Ursachen: Von einem gigantischen Seeungeheuer ist die Rede, etwas wissenschaftlicher von einem bislang unbekannten Meeressäuger, von Inseln mit periodisch aktiven Geysiren — oder aber von einem gepanzerten Unterwasserfahrzeug. Im Auftrag der amerikanischen Regierung läuft schließlich im Sommer 1867 das Expeditionsschiff Abraham Lincoln aus, um die mysteriösen Vorfälle aufzuklären. Mit an Bord ist der französische Meereskundler Pierre Arronax, der ein noch unentdecktes, dem Narwal ähnliches Tier von riesigen Ausmaßen als Übeltäter vermutet. Ein weiterer für den Romanverlauf wichtiger Expeditionsteilnehmer ist der Harpunier Ned Land, der das Seeungeheur — so Arronax’ Hypothese stimmt — zur Strecke bringen soll.

Die Geschichte wird im Stil eines Expeditionsberichts von Professor Arronax erzählt. Das Schiff ist in den nördlichen Pazifik aufgebrochen, wo das vermeintliche Tier zuletzt gesichtet wurde. Nach einigen Wochen der Suche glaubt man, das Ziel der Expedition gefunden zu haben. Es gelingt, nahe genug an das Ungeheuer heranzukommen, um die Harpuniere an ihr Werk zu lassen. Sämtliche Harpunen prallen von der Haut des Ungeheuers ab, das sich kräftig zur Wert setzt. Dabei werden schließlich der Harpunier Land, Arronax und dessen Diener über Bord geschleudert — womit die eigentliche Geschichte beginnt. Die Schiffbrüchigen finden nach ein paar Stunden im Meer zu ihrer Überraschung festen Boden unter den Füßen, nämlich auf dem Ungeheuer selbst, dessen »Haut« aus Eisenplatten besteht. Wie sie feststellen, ist das mysteriöse Wesen ein »Wunder aus Menschenhand«. Bald finden sie eine Luke und werden in das geheimnisvolle Etwas eingelassen.

Dort begegnen sie Kapitän Nemo (lateinisch »Niemand«) und erfahren, dass sie sich an Bord der Nautilus befinden. Die Nautilus ist ein Unterseeboot voller technischer Raffinessen, von denen sich auf der Erde selbst Wissenschaftler und Ingenieure keinen Begriff machen. Nemo hat jeglichen Kontakt mit den Bewohnern der Erde abgebrochen und lebt mit seiner Besatzung ausschließlich vom und mit dem Meer. Da auf der Erde niemand von der Existenz der Nautilus wissen darf, sind die drei Schiffbrüchigen Gefangene, wenn auch unter äußerst luxuriösen Bedingungen.

Für die Gefangenen — oder Gäste — beginnt eine abenteuerliche Reise durch die Weltmeere. Im weiteren Verlauf weist der Roman viele typische Strukturen einer wissenschaftlich-utopischen Erzählung auf. Das Utopia ist in diesem Fall die Nautilus, eine in sich geschlossene Welt, die als »guter Ort« nur durch totale Abschottung von der Außenwelt funktionieren kann. Ein guter Ort ist die Nautilus insofern, als ihre Bewohner mit ihrer natürlichen Umgebung, dem Meer, in völligem Einklang leben. Möglich wird dies durch technischen Fortschritt, der von dem gebildeten, feingeistigen Nemo in einem Sinne genutzt wird, den man heute als nachhaltig bezeichnen würde. Ein Utopia ist die Nautilus auch in Bezug auf Bildung und wissenschaftliche Erkenntnis. Zwei unverzichtbare Personen in einer utopischen Erzählung sind ein Besucher aus der Außenwelt und ein Vertreter Utopias, der diesen, meist in Form einer Reise, mit Utopia vertraut macht. In 20.000 Meilen unter dem Meer sind diese Personen der Wissenschaftler Arronax und Kapitän Nemo.

Trotz dieser Merkmale ist »20.000 Meilen unter dem Meer« keine Utopie. Die Harmonie wird zum einen durch den widersprüchlichen Charakter Nemos gebrochen, der zwar einerseits gebildet, kultiviert und gastfreundlich ist, andererseits aber voller Rachsucht jene verfolgt, derentwegen er der Erde den Rücken gekehrt hat. Zum anderen sind die Schiffbrüchigen nicht freiwillig auf der Nautilis, worüber die zuvorkommende Behandlung durch die Besatzung nicht hinwegtäuschen kann. Während Arronax, fasziniert von Nemo und getrieben durch seinen Forscherdrang, über diesen Aspekt hinwegzusehen geneigt ist, empfindet der Harpunier Land sein Dasein auf der Nautilus eindeutig als Gefangenschaft und drängt Arronax zur Flucht. Klar, dass diese letzendlich gelingt, den sonst wäre ja der Expeditionsbericht des Professors nicht an die Öffentlichkeit gelangt und bis heute wüsste niemand etwas von Käpt’n Nemo und der Nautilus ;-)

Sonstiges

Kapitän Nemo und die Nautilus werden von Jules Verne ein weiteres Mal, nämlich in dem 1874 veröffentlichten Roman »Die geheimnisvolle Insel« verwendet. Nemo ist außerdem Mitglied der »Liga der außergewöhnlichen Gentleman« in der gleichnamigen Comic-Reihe. Der Roman selbst wurde (mindestens) fünfmal verfilmt, zum Teil vermischt mit dem Inhalt von Die geheimnisvolle Insel, sowie etliche Hörspiel-Adaptionen.

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