Meyrink, Gustav, eigentlich Gustav Meyer, österreichischer Schriftsteller, * 19. Januar 1868 in Wien, † 4. Dezember 1932 in Starnberg. Beeinflusst von E.T.A. Hoffmann und E.A. Poe schrieb Meyrink fantastische Romane, Erzählungen und Novellen, in denen er oft religiöse Motive, mystische Vorstellungen und Sagenstoffe verarbeitete, so auch in seinem bekanntesten Werk Der Golem. Daneben trat er als Übersetzer unter anderem von Charles Dickens und Rudyard Kipling in Erscheinung.
Leben
Meyrink war der unehehliche Sohn des württembergschen Staatsministers Karl von Varnbühler und der Schauspielerin Maria Meyer. Den größten Teil seiner Kindheit verbrachte er in München. Für kurze Zeit lebte er in Hamburg, bis er 1883 mit seiner Mutter nach Prag zog. Dort machte er sein Abitur, besuchte anschließend die Handelsakademie und gründete 1889 das Bankhaus »Meyer & Morgenstern« (zusammen mit einem Neffen des Dichters Christian Morgenstern).
Schon früh gehörte Meyrink verschiedenen spiritistischen Zirkeln an. Sein Hang zum Okkulten in Verbindung mit seinem exzentrischen Auftreten trug ihm einschlägige Berühmtheit bei den Literaten und Bohemiens von Prag ein. Ludwig Thoma, damals Chefredakteur des »Simplicissimus«, veranlasste 1901 die Veröffentlichung von Meyrinks Erzählung »Der heiße Soldat« in der berühmten satirischen Wochenzeitschrift, was als Beginn von Meyrinks Weg als Schriftsteller gewertet werden kann. Entscheidend für den radikalen Wendepunkt in Meyrinks Leben war allerdings, dass er 1902 nach dem Bankrott seiner Bank kurzzeitig wegen Betrugsverdachtes verhaftet wurde und sich zur Geschäftsaufgabe gezwungen sah.
Von nun an widmete sich Meyrink ganz dem Schreiben. Er verfasste weitere Beiträge für den »Simplicissimus« und war ab 1903 Redakteur bei der humoristischen Wiener Zeitschrift »Der liebe Augustin«. 1906 ließ er sich als freier Schriftsteller in München nieder. Ein Jahr später erschien der Erzählband »Wachsfigurenkabinett«. 1911 zog Meyrink mit seiner Familie nach Starnberg um, wo er bis zu seinem Tod lebte. 1913 erschienen unter dem Titel »Des deutschen Spießers Wunderhorn« 3 Bände mit satirischen Erzählungen. In Österreich wurden diese Erzählungen wegen ihrer Bissigkeit und Spottlust kurzzeitig verboten. 1915 veröffentlichte Meyrink seinen ersten Roman, »Der Golem«, der mit 145.000 verkauften Exemplaren (innerhalb von zwei Jahren) sein erfolgreichstes Werk werden sollte. In Meyrinks späterem Werk dominiert das Umkreisen übersinnlicher Phänomene immer stärker. Nicht von ungefähr erfährt Meyrinks Werk heute — unabhängig von seiner allgemeinen literarischen Bedeutung — bei esoterisch Interessierten besondere Beachtung. 1927 trat der protestantisch getaufte Meyrink zum Buddhismus über.
Werke (Auswahl)
- Der heiße Soldat und andere Gechichten (1903, Erzählungen)
- Wachsfigurenkabinett (1908, Erzählungen)
- Des deutschen Spießers Wunderhorn (1913, Erzählungen)
- Der Golem (1915, Roman)
- Fledermäuse (1916, Erzählungen)
- Das grüne Gesicht (1916, Roman)
- Walpurgisnacht (1917, Roman)
- Der weiße Dominikaner (1921, Roman)
- Der violette Tod (1922, Erzählungen)
- Der Engel vom westlichen Fenster (1927, Roman)