Verne, Jules, * 8. Februar 1828 in Nantes, † 24. März 1905 in Amiens, französischer Schriftsteller; einer der Begründer der Science Fiction. Die Werke Jule Vernes sind v.a. in der Frühphase gekennzeichnet von einer optimistischen Grundhaltung gegenüber den Segnungen der Technik. Auch Gedanken über die verantwortungsvolle Nutzung von Technik durch den Menschen tauchen bereits bei Verne auf, ebenso kritische Fragen nach möglichen Umweltzerstörungen. Insgesamt dominiert Vernes Glaube an das Gute im Menschen, der nicht zuletzt dank seiner Klugheit die Welt zum Besseren zu verändern vermag. Dennoch zeigt sich v.a. in seinen späten Werken zunehmend Nachdenklichkeit oder gar Pessimus hinsichtlich der Folgen der fortschreitenden Industrialisierung.
Im Zentrum von Jules Vernes Schaffen stehen wissenschaftlich-fantastische Beschreibungen imaginärer Reisen. Der Leser, der sich mit auf diese Reisen begibt, erfährt nebenbei viel Lehrreiches über das bereiste Land. Die Helden der Reisen benutzen oft technische Hilfsmittel, insbesondere zur Fortbewegung, die ihrer Zeit gerade so weit voraus sind, dass sie aufgeschlossenen Zeitgenossen des Autors als realistisches Zukunftsszenario erscheinen konnten. Romane wie »Reise zum Mittelpunkt der Erde« oder 20.000 Meilen unter dem Meer zählen zu den Frühwerken der Science-Fiction-Literatur, während andere der Abenteuer- und Reiseliteratur näher stehen (u.a. »Reise um die Erde in 80 Tagen«). Elemente der verschiedenen Genre kommen in unterschiedlicher Gewichtung in allen Werken Vernes vorn.
Leben
Jules Verne war das älteste von fünf Kindern eines Rechsanwalts und der Tochter einer Reederfamilie. Er wuchs in der Hafenstadt Nantes auf. Dem Wunsch seines Vaters folgend studierte er Jura, zunächst in seiner Heimatstadt Nantes, ab 1948 in Paris. Als Student in Paris begann er sich fürs Theater zu interessieren, besuchte literarische Zirkel und befreundete sich mit Alexander Dumas, Vater und Sohn. Bald schrieb er erste Dramen und Libretti. 1850 wird am Théâtre Historique sein erstes Stück uraufgeführt. Parallel dazu vernachlässigt Verne sein Jurastudium — sehr zum Missfallen seines Vaters, der ihm daraufhin die finanzielle Unterstützung streicht.
Ab 1851 konnte Verne erste erzählende Texte in einer literarischen Zeitschrift veröffentlichen. In diesen hat er sein Thema als Schriftsteller bereits gefunden: den imaginären Reisebericht. Zunächst jedoch schrieb er weiterhin auch Bühnenstücke sowie Erzählungen mit unterschiedlichen Themen. 1855 wurde sein erster Abenteuerroman veröffentlicht (»Un hivernage dans les glaces«, dt. »Ein Winter im Eis«). 1857 heiratete er eine Witwe mit zwei Töchtern; 1861 wurde Sohn Michel geboren. Seit seiner Familiengründung bis etwa Mitte der 1860er-Jahre betätigte sich Verne als Börsenmakler, ohne jedoch seine literarische Tätigkeit aufzugeben. In den Jahren 1859 und 1861 unternahm er zwei Schiffsreisen (nach Schottland und nach Skandinavien). Die Welt der Seefahrt hatte ihn bereits als Kind fasziniert; so soll er als Elfjähriger versucht haben, heimlich als Schiffsjunge auf die Reise nach Indien zu gehen. Das Motiv der Seefahrt wie auch die Begeisterung für jegliche Verkehrs- und Transporttechnik taucht in den Werken Jule Vernes immer wieder auf.
Der Durchbruch als Schriftsteller gelang Verne mit seinem 1863 veröffentlichten Roman »Cinq semaines en ballon« (dt. »Fünf Wochen im Ballon«). Grund war nicht allein der Verkaufserfolg dieses Romans, sondern wohl vor allem die Bekanntschaft mit dem Verleger Pierre-Jules Hetzel, der Verne für weitere Romane von ähnlicher Art verpflichtete und gewissen Einfluss auf einen verkaufsförderlichen Schreibstil nahm. Auch ist es Hetzel zumindest teilweise zu verdanken, dass Verne seine naturwissenschaftlichen und technischen Kentnisse durch zahlreiche Kontakte mit Fachleuten erweitern konnte. Ab 1867 wurden in Herzels Verlag die Romanreihe »Voyages Extraordinaires« (dt. Außergewöhnliche Reisen) herausgegeben, bestehend aus 54 reich illustrierten Romanen von Jules Verne.
Jules Verne konnte nun gut vom Schreiben leben; allerdings drängte ihn die vertragliche Verpflichtung, jährlich zwei Romane zu produzieren, zur Eile. Gut zehn Jahre konnte Verne trotz dieses Drucks die Erwartungen des Verlegers erfüllen. Es entstanden äußerst erfolgreiche, spannende und ideenreiche Romane (darunter »Reise zum Mittelpunkt der Erde«, »Die Kinder des Kapitän Grant«, »Reise um den Mond«, »20.000 Meilen unter dem Meer«, »In 80 Tagen um die Welt«), die sehr bald auch in deutscher und englischer Übersetzung erschienen. Sie richteten sich vorwiegend an ein junges, männliches Publikum und wurden vorab in einer Jugendzeitschrift aus Hetzels Verlag veröffentlicht. Die Werke dieser Schaffensperiode sind es, die zu Klassikern der Jugend- bzw. Abenteuerliteratur wurden. Mit dem 1872 veröffentlichten Roman »In 80 Tagen um die Welt« erreichte der Publikumserfolg seinen Höhepunkt.
Nach 1880 schrieb Verne zwar weiterhin mit der gleichen Produktivität wie in früheren Jahren, doch konnte er mit seinen späten Romanen das Publikum nicht mehr im gleichen Maße erreichen wie zuvor. Viele Werke dieser Zeit sind, ganz im Gegensatz zu den frühen, heute vergessen. Der Autor begann, viel zu reisen, holte also manches nach, was ihm zuvor nur in seiner Fantasie möglich war, und konnte sich dank seines Erfolgs sogar eine eigene Yacht leisten. Bereits 1871 war er nach Amiens, die Heimatstadt seiner Frau, gezogen. 1888 wurde er dort in den Stadtrat gewählt. Dieses Amt übte er bis zu seinem Tod im Jahr 1905 aus.
Werke (Auswahl)
Romane
- Cinq semaines en ballon (1863; dt. Fünf Wochen im Ballon)
- Voyage au centre de la terre (1864; dt. Reise zum Mittelpunkt der Erde)
- De la terre à la lune (1865; dt. Von der Erde zum Mond)
- Les aventures du Capitaine Hatteras (1866; dt. Abenteuer des Kapitän Hatteras)
- Les enfants du capitaine Grant, 3 Teile (1867‒68; dt. Die Kinder des Kapitän Grant)
- Vingt mille lieues sous les mers, 2 Teile (1870; dt. 20 000 Meilen unter dem Meer)
- Le tour de la lune (1870; dt. Reise um den Mond)
- Une ville flottante (1871; Eine schwimmende Stadt)
- Aventures de trois Russes et de trois Anglais dans l’Afrique australe (1872; dt. Abenteuer dreier Russen und dreier Engländer in Südafrika)
- Le pays des fourrures, 2 Teile (1873; dt. Das Land der Pelze)
- Le tour du monde en quatre-vingts jours (1873; dt. Die Reise um die Erde in 80 Tagen)
- L’île mystérieuse, 3 Teile (1874‒75; dt. Die geheimnisvolle Insel)
- Michel Strogoff, Moscou-Irkoutsk, 2 Bände (1876; dt. Der Kurier des Zaren)
- Un capitaine de quinze ans (1878; dt. Ein Kapitän von fünfzehn Jahren)
- Les cinq cents millions de la Bégum (1879; dt. Die 500 Millionen der Begum)
- Les tribulations d’un chinois en Chine (1879; dt. Die Leiden eines Chinesen in China)
- Le rayon vert (1882; dt. Der grüne Strahl)
- L’Archipel en feu (1884; dt. Der Archipel in Flammen)
- Le Château des Carpathes (1892; dt. Das Karpatenschloss)
- Le Sphinx des glaces (1897; dt. Die Eissphinx)
- Le Phare du bout du monde (1906, stark überarbeitet von Jule Vernes Sohn Michel; dt. Der Leuchtturm am Ende der Welt)