Roman von Ray Bradbury
Originaltitel »Something Wicked This Way Comes«, Erstveröffentlichung 1962
deutsche Erstveröffentlichung 1969
Inhalt
Die Handlung spielt in einer idyllischen amerikanischen Kleinstadt und zu einer Zeit, die um ein paar Jahrzehnte vor der Entstehungszeit liegen dürfte. Im Mittelpunkt stehen zwei dreizehnjährige Jungen, die im Abstand von nur einem Tag geboren wurden, deren Häuser unmittelbar benachbart sind und die, seit sie auf der Welt sind, so gut wie jeden Tag zusammen verbracht haben. Freunde fürs Leben wie es scheint, die nichts trennen kann. Doch in den wenigen Oktobertagen, von denen die Geschichte erzählt, wird ihr Zusammenhalt auf eine erste ernste Probe gestellt, die ihnen auch zeigt, wie verschieden sie trotz ihrer Unzertrennlichkeit im Grunde sind.
Will Halloway ist blond, für sein Alter vergleichsweise vernünftig und vorsichtig. Eine reine Seele. Auf die Seele von Jim Nightshade dagegen fielen schon sehr früh dunkle Schatten; sein Vater ist bereits tot, und er hat an ihn keine Erinnerung; seine Mutter hatte neben diesem Verlust weitere schwere Schicksalsschläge zu ertragen. Jim ist dunkelhaarig, hat Katzenaugen und auch sonst einiges von einer Katze. Er ist unruhig, wild und auch dann noch neugierig, wenn das Geheimnisvolle höchstwahrscheinlich etwas Böses ist.
Eine wichtige Rolle spielt außerdem Wills Vater, der als Hausmeister in der Stadtbibliothek arbeitet. Charles Halloway fühlt sich mit seinen 54 Jahren als alter Mann und ist in seiner Melancholie für Will unerreichbar. Der Gedanke an seinen traurigen, alten Vater macht Will manchmal selber traurig. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum es Will nicht so eilig mit dem Erwachsenwerden hat wie sein Freund Jim. Am Ende der Geschichte werden sich Jim und sein Vater so nah sein, wie es beide zu Beginn nicht für möglich gehalten hätten.
Das Böse, gegen das die beiden Jungen und der Mann in der Gechichte kämpfen müssen, kommt in Gestalt eines Jahrmarkts, der eines Nachts auf einer Wiese vor der Stadt seine Zelte aufschlägt. Schon die Umstände des Eintreffens sind höchst mysteriös: Der Jahrmarkt kommt ungewöhnlich spät im Jahr, und er kommt nachts mit dem Zug. Will und Jim werden von den unheimlichen Geräuschen geweckt und beobachten das seltsame Treiben. Besonders mit dem Karussell scheint etwas nicht zu stimmen. Angestachelt vor allem durch Jims Neugier finden die Jungen heraus, dass das Karussell das Gesetz der gleichmäßig verrinnenden Zeit zu überwinden vermag: jede Runde auf diesem Karussell macht den Mitfahrenden ein Jahr älter oder jünger, je nachdem, ob es sich vorwärts oder rückwärts dreht. Jim ist von dieser Möglichkeit fasziniert, Will dagegen weiß instinktiv, dass hier etwas Böses lauert. Die Inkarnation des Bösen ist der am ganzen Körper tätowierte Zirkusdirektor Mr. Dark. Und das Böse schläft nicht. Das Herumschnüffeln der beiden Jungen bleibt nicht unbemerkt, was wiederum von ihnen nicht unbemerkt bleibt. Aber in dieser Geschichte wird am Ende alles gut!
Zum Titel
Der Originaltitel »Something Wicked this Way Comes« ist ein Zitat aus Shakespeares Tragödie »Macbeth«. Nachdem Macbeth König Duncan ermordet und zwecks Vertuschung dieses ersten Mordes weitere Schuld auf sich geladen hat, wird er von Geistern heimgesucht. Weil ihn von nun an düstere Vorahnungen quälen, begibt er sich zur Höhle der drei Hexen, von denen eine unmittelbar vor seinem Kommen sagt:
By the pricking of my thumbs,
Something wicked this way comes.
[knocking]
Open, locks, whoever knocks!
Im Englischen ist diese Zeile zu einem geflügelten Wort für die Erwartung von etwas Bösem geworden.