Der Rabe

Gedicht von Edgar Allan Poe
Originaltitel »The Raven«, Erstveröffentlichung 1845 im Evening Mirror, New York; erste Übertragung ins Deutsche vor 1860. Heute sind vor allem die Übersetzungen von Hedwig Lachmann (1891) und Hans Wollschläger (1982) verbreitet. Die in der folgenden Inhaltsangabe verwendeten Zitate beziehen sich auf die Übersetzung von Wollschläger.

Inhalt

Der Erzähler ist spätabends in die Lektüre alter Bücher versunken. Vielleicht ist er auch schon ein paar Mal kurz vom Schlaf übermannt worden, als er ein leises Klopfen an der Tür hört. Wohl ein später Gast, wie er meint, doch als er die Tür öffnet, sieht er »nur Dunkel dort — nichts weiter mehr.« Die Stille wirft ihm nur sein eigenes, fragend in die Nacht gerufenes Wort zurück: »Lenor«, der Name der Frau, die er liebte und deren Tod er nicht verwinden kann. Wieder in seinem Zimmer hört er abermals ein Klopfen, etwas lauter diesmal und am Fenster. Entschlossen, seinen trüben Gedanken zu entrinnen und eine rationale Erklärung für die unheimlichen Geräusche zu finden (»’s ist der Wind — nichts weiter mehr«), reißt er das Fenster auf.

Illustration von Gustav Dore

Illustration von Gustav Dore

Herein flattert ein Rabe und lässt sich auf dem Türsims nieder. Gefragt nach seinem Namen, antwortet der Rabe: »Nimmermehr«. Der Mann wundert sich über den Sinn dieses Wortes, sagt sich dann aber, dass der unheimliche Besucher morgen aus seinem Leben verschwunden sein wird, wie zuvor schon mancher gute Freund — und wie sein Glück, Lenor. Darauf sagt der Rabe wieder: »Nimmermehr« und trifft damit den Mann mitten ins Herz. Der meint nun, dass Tier müsse bei einem früheren Herrn dieses eine Wort gelernt haben. Er stellt dem Raben Fragen, die wohl schon lange auf seiner Seele lasten: Ob er je über den Verlust Lenors hinweg kommen wird? Ob er sie einst im Himmel wiedersehen wird? Der Rabe sagt nur sein trostloses »Nimmermehr«. Der Mann, nun außer sich, fordert den Raben auf zu verschwinden, worauf dieser vom Türsims herab sein letztes Nimmermehr krächzt, dort schweigend verharrt und unter seinem Schatten die Seele des Mannes für immer begräbt.

extern

»The Raven« (Originaltext auf wikisource.org)
»Der Rabe« (Übersetzung von Hedwig Lachmann auf Projekt Gutenberg)

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