Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe
Oiginaltitel »The Fall of the House of Usher«
Erstveröffentlichung 1839 in »Burton’s Gentlemen’s Magazine«, Philadelphia
Inhalt
Der Erzähler reitet zum Anwesen der Familie Usher. Sein Jugendfreund Roderick Usher hatte ihn in einem besorgniserregenden Brief gebeten, ihm eine Zeitlang Gesellschaft zu leisten. Roderick ist der letzte Spross des alten Adelsgeschlechts der Ushers und lebt mit seiner Zwillingsschwester, Lady Madeline, in dem unheimlichen, alten Gemäuer. Alles atmet Schwermut, Verfall und Verwesung: der wolkenverhangene Herbsttag, die von Sümpfen geprägte Landschaft, der zum Anwesen gehörende trübe Weiher und natürlich das Haus selbst mit seinen kahlen Mauern und seinem unübersehbaren Riss.
Der Erzähler findet Roderick in einer Verfassung vor, die seine Besorgnis noch steigert. Roderick ist von einer seltsamen Gemüts- oder Geisteskrankheit gezeichnet. Er spürt drohendes Unheil über dem Haus wie auch über dem Geschlecht der Ushers und lebt offenbar schon seit Jahren in einem Gefühl der Erstarrung. Zu seinen Symptomen gehört eine krankhaft übersteigerte Empfindlichkeit des Gehörs, die ihm Musik fast unerträglich macht und das Grauen der unheimlichen Geräusche von Haus und Umgebung potenziert.
Zwar scheinen die düsteren Visionen Rodericks größtenteils seiner Gemütsverstimmung zuzuschreiben zu sein, doch gibt es aus der Sicht des Erzählers auch einen sehr greifbaren, rationalen Grund, nämlich der schlechte Gesundheitszustand von Lady Madeline. Kurz nach seiner Ankunft hat der Erzähler auf der Treppe des Hauses eine wortlose Begnung mit der unheimlichen Lady. Wenige Tage darauf stirbt sie und der Bruder lässt sie bis zur Beisetzung im Keller des Hauses aufbahren. Poes Beschreibung der Toten weckt die grauenhafte Vorstellung vom lebendig Begrabensein. Auch scheinen seit Lady Madelines Aufbahrung seltsame Veränderungen mit Roderick vorzugehen. Das Unheimliche der Erzählung kulminiert in einer Sturmnacht, in der sich Ushers Ahnungen vom Untergang erfüllen.