Die Affenpfote

Kurzgeschichte von William Wymark Jacobs
Originaltitel The Monkey’s Paw
Erstveröffentlichung 1902

»Die Affenpfote« ist eine schaurige Variante des Motivs der drei Wünsche, die einer Person mittels Zauberkraft erfüllt werden. Gnadenlos führt das Korrigieren des eigenen Schicksals zum Verhängnis, das im Text nur dürftig skizziert wird und sich im Kopf des Lesers zu Schreckensbildern formt.

Inhalt

Der alte Mr. White lebt mit seiner Frau und seinem erwachsenen Sohn in der abgelegenen »Villa Laburnam«, irgendwo auf dem englischen Land. In einer nasskalten, stürmischen Nacht erhält die kleine Familie Besuch von einem Jugendfreund des alten Herrn. »Sergeant-Major Morris«, wie er vom Vater vorgestellt wird, hat sich jahrzehntelang als Soldat in fernen Gegenden herumgetrieben und berichtet nun in Altherrenmanier von gefährlichen Abenteuern und kühnen Taten. Das bleibt auf Mr. White nicht ohne Eindruck:

»Ich möchte auch ganz gern mal nach Indien«, sagte der alte Mann. »Bloß um mich mal umzusehen, wißt ihr.«
»Bleiben Sie lieber, wo Sie sind«, sagte der Sergeant-Major und schüttelte den Kopf.

Besonders die mumifizierte Affenpfote, die Morris als eine Art Talisman bei sich trägt, hat es Mr. White angetan. Er lässt nicht locker, bis ihm Morris erzählt, was es damit auf sich hat. Angeblich hat ihr ein alter Fakir Zauberkraft verliehen:

»Er war ein sehr heiliger Mann. Er wollte zeigen, dass nur das Schicksal das Leben des Menschen regiere und dass jene, die es korrigieren wollten, dies nur zu ihrem eigenen Schaden täten.«

Die Affenpfote verhilft ihrem jeweiligen Besitzer zur Erfüllung dreier Wünsche. Auf die Frage, ob ihm selbst seine drei Wünsche erfüllt wurden, antwortet Morris kurz angebunden mit »Ja«, und auch, was er von Vorbesitzern der Affenpfote zu berichten hat, lässt vermuten, dass der Fakir ein weiser Mann war. Einem Impuls folgend, wirft Morris die Pfote ins Feuer, doch der alte White zieht sie schnell heraus. Nach längerem Bitten überlässt ihm Morris den verhängnisvollen Talisman. Aber was soll er sich eigentlich wünschen?

»Mir scheint, ich habe alles, was ich brauche.«

Schließlich folgt er dem Vorschlag seines Sohnes Herbert und wünscht sich zweihundert Pfund, um die Hypothek für sein Haus zu bezahlen. Es geschehen zwei merkwürdige Dinge: Die Affenpfote, die der alte White während des Wünschens fest in der Hand hielt, schien sich wie eine Schlange zu bewegen. Und den jungen White starrt aus dem verlöschenden Kaminfeuer ein abscheuliches Affengesicht an. Sonst geschieht erst einmal nichts — vor allem lassen die gewünschten zweihundert Pfund auf sich warten.

Am nächsten Tag sieht Mrs. White einen Fremden mehrmals unentschlossen vor ihrer Tür auf- und abgehen. Schließlich klopft er an. Er bringt der Mutter die Nachricht, dass ihr Sohn Herbert bei der Arbeit von einer Maschine erfasst wurde

»Schwer verletzt«, sagte er leise, »aber er hat keine Schmerzen.«

Die Firma Maw und Meggins lehnt zwar jede Verantwortung für Herberts Tod ab, überreicht aber den entsetzen Eltern eine gewisse Summe zum Ausgleich. Zweihundert Pfund.

Die Eltern begraben ihren Sohn, die ereignislosen Tage vergehen. Nach einiger Zeit hat die gebrochene alte Frau in einer schlaflosen Nacht eine Eingebung: Ihr Mann möge sich wünschen, dass Herbert wieder lebendig wird — denn es sind doch schließlich drei Wünsche?! Der Mann sträubt sich. Immerhin wurde Herbert von einer Maschine zerfetzt. In Anbetracht der unheilvollen Macht der Affenpfote graut ihm vor der Erfüllung des Wunsches seiner Frau. Doch die Frau setzt sich durch, und bald klopft es an der Tür. Der Mann beschwört die Frau, den Riegel nicht zu lösen. Zu spät. Verzweifelt wünscht er seinen letzten Wunsch, der unausgesprochen bleibt.

Die Laterne, die auf der anderen Seite flackerte, beschien eine stille und verlassene Straße.

Wo bin ich?

Sie sind auf der Website der Habenichtse gelandet, einem Portal zum Thema fantastische Literatur & Science Fiction. Neben Inhaltsangaben finden Sie hier Biografien und Artikel zu Begriffen, Genren usw.

Werbung