Dracula

Roman von Bram Stoker
Erstveröffentlichung 1897

Dracula — Fürst der Vampire, Synonym der blutsaugenden Nachtgestalt, Mythos des über den Tod hinausreichenden Schreckens. Der irische Schriftsteller Bram Stoker verdankt seinen Weltruhm fast ausschließlich der berühmtesten aller Vampirgeschichten. Die Spannung des Romans basiert ganz wesentlich auf der Erzähltechnik: das Geschehen erschließt sich dem Leser aus Tagebuchaufzeichnungen und Briefen mehrerer Personen, von denen nicht alle das Ende des Romans erleben.

Inhalt

Der junge Anwalt Jonathan Harker reist nach Transsylvanien, um mit dem Grafen Dracula die Modalitäten für den Erwerb eines Anwesens in England zu besprechen. Je näher er dem Schloss des Grafen kommt, umso deutlicher werden die Ankündigungen des bevorstehenden Grauens. In Bistritz, der nächstgelegenen Stadt, bekreuzigen sich Einheimische, als Harker das Ziel seiner Reise nennt. Man versucht, ihm die Reise auszureden, eine Frau gibt ihm ein Kruzifix mit auf den Weg. Weiter geht es mit der Postkutsche, durch wilde Natur, die mit Einbrechen der Dunkelheit immer unheimlicher wird. Hunde heulen, ebenso die Wölfe, die immer näher zu kommen scheinen. Am Borgopass wird Harker von einer Kalesche des Grafen abgeholt — der Postkutscher und die Mitreisenden haben es sehr eilig, von dort weiter in die Bukowina zu kommen.

Im Schloss angekommen, wird Harker vom Grafen höflich empfangen. Ein vorzügliches Nachtmahl beschwichtigt vorerst seine Sorgen, auch das Zimmer ist aufs Angenehmste gerichtet. Die nächsten Tage verlaufen harmlos. Und doch wird der Engländer sein Unbehagen nicht los, denn da gibt es manchmal dieses unglaublich bösartige Grinsen in Draculas Gesicht, die von ihm ausgehende Kälte, die abgeschlossenen Türen. Bis tief in die Nacht hinein führt Harker mit Dracula Gespräche, doch nie bekommt er ihn tagsüber zu sehen. Schreckliche Ahnungen verdichten sich immer mehr zu blanker Todesfurcht.

Spätestens als Harker seinen Gastgeber kopfüber, wie eine Eidechse, an der Schlossmauer herunterklettern sieht, weiß er: ein menschliches Wesen ist Dracula nicht! Nur allzu deutlich gibt ihm sein »Gastgeber« zu verstehen, dass es für ihn kein Entkommen gibt. Er wird von Dracula genötigt, mehrere vordatierte Briefe an seine Verlobte und an seinen Vorgesetzten zu schreiben, die seine bevorstehende Rückkehr beschreiben. Außerdem warnt ihn der Graf davor, jemals in einem anderen Teil des Schlosses einzuschlafen als in seinem Zimmer. Doch als er eines Nachts auf der Suche nach einer Fluchtmöglichkeit das Schloss erkundet, überkommt ihn ein so übermächtiger Drang, an Ort und Stelle einzuschlafen, dass selbst seine Todesangst dagegen nicht ankommt.  Schlafend wird er von drei schönen jungen Frauen mit blutroten Lippen entdeckt. Der ersehnte Todeskuss wird vom Grafen selbst vereitelt, der den jungen Engländer für sich haben will. Harkers letzte Zweifel über die Natur des Grafen verschwinden, als er diesen tagsüber in der Gruft in einer mit Erde gefüllten Kiste schlafend findet. Er erlebt in Draculas Schloss noch grausigere Dinge, doch schließlich gelingt ihm die Flucht. – All dies erfährt der Leser aus Tagebuchaufzeichnungen Harkers.

Danach wechselt die Perspektive und der Schauplatz. Der Fortgang der Geschichte spielt in England und erschließt sich aus »Originaldokumenten« verschiedener Zeugen, die mehr oder minder direkt in das grauenvolle Geschehen einbezogen sind: aus Zeitungsberichten, Tagebucheinträgen des Nervenarztes Dr. Seward und vor allem aus dem Briefwechsel zwischen Wilhelmina Murray (»Mina«), der Verlobten von Harker, und ihrer besten Freundin Lucy Westenra. Während Mina ihrer baldigen Hochzeit entgegensieht (und sich langsam Sorgen um ihren künftigen Ehemann macht), hat Lucy gleich drei respektable Verehrer, die alle am gleichen Tag um ihre Hand anhalten. Lucys Herz gehört eindeutig Arthur Holmwood. Die beiden Abgewiesenen (besagter Dr. Seward und ein Amerikaner namens Quincey Morris) verhalten sich wie echte Gentlemen, versichern Lucy ihre Freundschaft und sind auch miteinander sowie mit Arthur befreundet .

Etwa zur gleichen Zeit, als ihr Verlobter irgendwo auf dem Balkan vor Dracula auf der Flucht ist, reist Mina für ein paar Wochen zu ihrer Freundin Lucy nach Whitby, einer kleinen Hafenstadt im Nordosten Englands. Kurze Zeit nach ihrer Ankunft kommt es in Whitby zu einem Vorfall, der in der ganzen Stadt für Gesprächsstoff sorgt: Während eines Sturms, der ohne Vorwarnung nach einem freundlichen Sommertag über den Ort hereinbricht, wird ein Schiff in den Hafen getrieben, das wahrhaft den Namen »Totenschiff« verdient. Von der Besatzung hat keiner überlebt, dafür findet man den Kapitän tot an des Steuer gefesselt. Den Aufzeichnungen des Kapitäns entnimmt man später, dass die Besatzung keineswegs den natürlichen Gewalten des Meeres zum Opfer gefallen ist. Vielmehr gab es auf dem Schiff »Etwas«, das die Männer einen nach dem anderen auf unheimliche Weise in den Tod getrieben hat. Zumindest rätselhaft ist auch die an Bord befindliche Ladung: 50 mit Erde gefüllte Kisten, die dem Frachtauftrag gemäß nach Carfax bei London weitergeschickt werden. Carfax? … das war doch der Ort, in dem Dracula ein Anwesen erworben hat!

Etliche Einwohner Whitbys haben den großen, schwarzer Hund von dem Totenschiff an Land springen sehen. Allen Augenzeugen war dieser Hund unheimlich — möglicherweise war er tollwütig — doch geriet dieses Detail angesichts der Ungeheuerlichkeit des ganzen Vorfalls schnell in Vergessenheit. Neben der Sorge um ihren Verlobten Jonathan Harker bedrückt Mina das veränderte Verhalten ihrer Freundin Lucy. Nicht nur, dass das hübsche junge Mädchen bald nicht mehr so rosig und frisch wirkt wie bei Minas Ankunft. Beunruhigend ist vor allem ihr Schlafwandeln, eine Neigung, die sie als Kind schon hatte, inzwischen aber längst abgelegt zu haben schien. Eines Nachts findet Mina Lucy auf jener Klippe, von wo aus sie beide während des Sturms das Totenschiff beobachtet hatten. Von Weitem sieht sie sie auf einer Bank vor der Kirche sitzen, während sich etwas Langes, Schwarzes über sie beugt. Vermutlich ist Lucy spätestens seit dieser Nacht verloren, auch wenn ihre zahlreichen Verehrer den Kampf um ihr Leben so schnell nicht aufgeben.

Mina erhält bald nach der verhängnisvollen Nacht ein Lebenszeichen von ihrem Jonathan, der in einem Krankenhaus in Budapest langsam ins Leben zurückkehrt. Sie reist sofort mit dem Zug nach Budapest, wo das Paar ohne große Zeremonie heiratet. Lucy geht es derweil immer schlechter. Arthur bittet seinen Freund Dr. Sewaed, sich um sie zu kümmern, da er selbst zu seinem mit dem Tod ringenden Vater reisen muss. Als Mediziner erkennt Seward den Ernst der Lage, wenn auch nicht die Ursache des Leidens, und bittet deshalb seinen akademischen Lehrer, Professor van Helsing, um Hilfe. Auch der Professor ist von der Anmut Lucys hingerissen; umso schmerzliche trifft ihn die Erkenntnis, dass er kaum noch eine Chance hat, das junge Mädchen zu retten. Denn er weiß die kleinen Male an Lucys Hals zu deuten, die schon Mina aufgefallen waren: Lucy wurde von einem Vampir heimgesucht! Van Helsing tut alles, was man so gegen Vampire tut  — Knoblauch spielt dabei natürlich eine wichtige Rolle. Als Lucy immer schwächer wird, führt er mehrere Bluttransfusionen durch: Arthur, Seward, Morris und sogar er selbst geben ihr Blut für das Mädchen. Aber während die anderen noch auf Lucys Leben hoffen, weiß van Helsing, dass auf sie Schlimmeres wartet als der Tod.

Der Rest der Geschichte handelt von der spannenden Jagd der guten Menschen — angeführt durch van Helsing — gegen den bösen Vampir. Nicht alle Guten kommen durch, und der Holzpflock, der der armen Lucy ins Herz gerammt wird, ist ohnehin nicht zu vermeiden. Aber am Ende kriegen sie ihn!

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