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	<title>Website der Habenichtse &#187; Freiheit</title>
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	<description>Fantastische Literatur &#38; Science Fiction</description>
	<lastBuildDate>Thu, 09 Sep 2010 07:58:22 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
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		<title>Uhrwerk Orange</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Aug 2010 01:01:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Moderne Phantastik]]></category>
		<category><![CDATA[Science Fiction]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Individuum]]></category>

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		<description><![CDATA[<strong>Anthony Burgess</strong> ♦ Alex ist 15, intelligent und liebt klassische Musik. Und er ist ein Gewalttäter ohne jegliche Empathie. <a href="http://www.habenichtse.de/science-fiction/uhrwerk-orange/"> lesen ...</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Roman von <a href="http://www.habenichtse.de/2008/12/anthony-burgess/" target="_self">Anthony Burgess</a><br />
Originaltitel »A Clockwork Orange«<br />
Erstveröffentlichung 1962, deutsche Erstveröffentlichung 1972</p>
<p>A »Clockwork Orange« wurde 1971 unter dem gleichen Titel von Stanley Kubrick verfilmt. Der Film wurde wegen der Darstellung von und der Auseinadersetzung mit Gewalt kontrovers aufgenommen.</p>
<h3>Inhalt</h3>
<p>Der fünfzehnjährige Alex und seine drei Kumpane verbringen ihre Abende damit, wehrlose Menschen zusammenzuschlagen, kleine Ladenbesitzer auszurauben, Frauen oder gar kleine Mädchen zu vergewaltigen und sich Messerstechereien mit anderen Gangs zu liefern. All dies geschieht ohne erkennbares Motiv, vielleicht aus Langeweile, aus Spaß oder einfach so. In einer ausführlich geschilderten Gewaltorgie zu Beginn des Romans überfallen die vier das einsam gelegene Haus von Mr. und Mrs. Alexander, schlagen den Mann brutal zusammen und vergewaltigen dann vor dessen Augen die Frau. Alex, der jugendliche Antiheld des Romans, ist ohne jegliches Mitgefühl für seine Opfer &#8212; und nach seinen Greueltaten hört er zur Entspannung klassische Musik, am liebsten Beethoven. Er drückt sich in einer (eigens von Burgess kreierten) dumpfen Jugendsprache aus, doch gleichzeitig in einer Art und Weise, die erkennen lässt, dass Alex eher überdurchschnittlich intelligent ist. An seinem Führungsanspruch innerhalb der Gang lässt er keinen Zweifel. Es kommt zum Konflikt, als er einen seiner Kumpane, den einfach gestrickten Doofie, herablassend behandelt und verprügelt. Scheinbar kann Alex seine Autorität wiederherstellen, doch die anderen hegen von nun an einen stillen Groll gegen ihn. Der nächste gemeinsame Raubüberfall wird Alex zum Verhängnis: Während seine Kumpane vor der Tür warten, steigt Alex allein in die Wohnung einer alten Dame, die wehrt sich erstaunlich heftig und ruft die Polizei. Die Kumpane verduften, als sie die Polizeisirene hören &#8212; Doofie allerdings erst, nachdem er Alex mit einer Fahradkette fluchtunfähig geschlagen hat. Alex wird gefasst, ahnt aber zum Zeitpunkt seiner Festnahme nicht, dass es noch viel dicker kommt: Ausgerechnet bei diesem Überfall stirbt das Opfer, und Alex wird wegen Mordes zu 14 Jahren Haft verurteilt.</p>
<p>Bis zu diesem Punkt der Handlung hat man knapp die Hälfte des Romans gelesen. Alex erzählt seine Geschichte selbst. Dies ist keineswegs so simpel, wie es klingt, denn die Geschichte verweigert sich allgemeinen Lesegewohnheiten. Die meisten Ich-Erzähler sind positive Identifikationsfiguren für den Leser, und wo von dieser Regel abgewichen wird, geschieht dies meist, um den Leser in die Seelenabgründe des in der Ich-Form erzählenden Bösewichts schauen zu lassen. Uhrwerk Orange ist anders. Wohl lässt Burgess den Leser in die Seele von Alex blicken, doch was er dort sieht ist: eigentlich nichts. Wer sich angesichts jugendlicher Gewalttäter fragt: Was geht in solchen Köpfen nur vor?, wird bei Burgess keine Antwort finden. Der Leser steht Alex irgendwann so ratlos gegenüber wie dessen Eltern, die anscheinend nicht so genau wissen wollen, was ihr Sohn Abend für Abend treibt. Ein hoffnungsloser Fall. Erst nachdem Burgess seine Leser bis zu diesem Punkt geführt hat, wendet er sich dem eigentlichen Thema des Buches zu: Darf ein Staat (oder allgemeiner die machtausübende Instanz einer Gesellschaft) Individuen die Freiheit nehmen, selbst zwischen »Gut« und »Böse« zu wählen? Wenn es keine Alternative zu »Gut« gibt, welchen moralischen Wert hat dieses »Gut« dann noch?</p>
<p>Nachdem Alex zwei Jahre seiner Strafe abgesessen (und sich beim Gefängnispfarrer eingeschmeichelt) hat, bietet sich ihm die Chance einer vorzeitigen Haftentlassung. Einzige Bedingung ist, dass er sich einer neuartigen »Behandlungsmethode« unterzieht, die seine Gewaltneigung in nur 14 Tagen »heilen« soll. Alex fragt nicht lange und willigt ein, denn: Hält er diese Behandlung durch, ist er sofort ein freier Mann. Er fragt auch nicht, was ihm da eigentlich für Spritzen verabreicht werden. Doch in der ersten sogenannten Sitzung merkt Alex, dass seine Behandlung kein Spaziergang wird. Geschwächt von der Spritze und deshalb im Rollstuhl sitzend, wird er an den Armen, an den Beinen, am Rücken festgeschnallt, sein Kopf wird fest arretiert und sogar seine Augenlider werden mithilfe spezieller Instrumente aufgesperrt. Diese Maßnahmen dienen einzig dem Zweck, Alex keine Chance zu lassen, sich von dem Film abzuwenden, der ihm nun vorgeführt wird. Es ist dies eine einzige Aneinanderreihung von Gewaltszenen. Alex merkt, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Statt Vorfreude auf eine Vergewaltigung, statt dem Impuls, selbst mit zuzuschlagen, wenn er sieht, wie Wehrlose verprügelt werden, spürt er zunächst leichtes Unwohlsein und Kopfschmerzen, später Übelkeit bis zum Brechreiz. Sogar an Alex&#8217; Vorliebe für klassische Musik und die für ihn charakteristische Kopplung zwischen Gewalt(fantasien) und Musik wurde bei der Behandlung gedacht: Zu den brutalen Filmszenen erklingt Beethoven. Die Erfinder der Methode nennen dies »Konditionierung«: Der Proband wird durch das injizierte Medikament und die visuellen Reize so »umgepolt«, dass der Anblick von und schon der Gedanke an Gewalt ihn nicht mehr positiv stimuliert, sondern im Gegenteil Übelkeit und Schmerzen verursacht. Jemand, der so »funktioniert«, stellt keine Gefahr mehr für seine Mitmenschen dar und kann zwecks Entlastung der stark überfüllten Gefängnisse in die Freiheit entlassen werden. Aber ist er deswegen schon gut? Kritiker der neuen Methode gehen sogar noch weiter: Ist jemand, der dank Konditionierung keine Gewalttaten begeht, überhaupt noch ein Mensch? Oder ist er einem Uhrwerk ähnlicher, in dem sich, einmal aufgezogen, die Rädchen genau so drehen, wie es die Mechanik vorsieht? Hier erschließt sich endlich die Bedeutung des Titels: Orang ist das malaiische Wort für Mensch (Burgess lebte in den 1950er-Jahren einige Zeit in Malaysia), also »Uhrwerk Mensch«.</p>
<p>Alex jedenfalls erreicht durch den Behandlungserfolg sein angestrebtes Ziel, die Entlassung. Draußen ist allerdings einiges nicht so wie erwartet. In seinem Zimmer bei den Eltern wohnt neuerdings ein Untermieter. Er hat niemanden, mit dem er abhängen könnte, denn seine Kumpane von früher haben ihn verraten. Doch das Schlimmste ist: Mit seiner Gewaltneigung scheint Alex auch die Freude am Leben verloren zu haben. Er wird von einer Horde alter Männer verprügelt, einer davon ein früheres Opfer, der ihn wiedererkannt hat. Zwei herbeigerufene Polizisten halten es ohne weitere Untersuchung für ausgemacht, dass Alex die Prügelei angezettelt hat. Sie fahren mit ihm raus aus der Stadt, schlagen ihn zusammen und lassen ihn liegen. Die beiden sind Profis: der eine ist Doofie, der andere ein alter Bekannter aus einer rivalisierenden Gang.</p>
<p>Alex wird nun endgültig zum Spielball politischer Interessengruppen, was sich während seiner Behandlung schon angedeutet hatte. In hilfloser Verfassung gerät er ausgerechnet an sein früheres Opfer Mr. Alexander, der ihn zunächst nicht erkennt, wieder aufpäppelt und reges Interesse an Alex&#8217; Schiksal zeigt. Mr. Alexander ist Mitglied einer oppositionellen Gruppe, die die Unmenschlichkeit der Regierung anprangert. Es stehen Wahlen an, und da kommt Alex als plakatives Beispiel dafür, was diese Regierung aus einem jungen Menschen machen kann, gerade recht. Selbst als Mr. Alexander in Alex den Holligan von einst wiedererkennt, gibt er dies nicht offen zu erkennenen, wenngleich er nun nicht mehr freundlich ist. Ideologie siegt über Emotion, Alex ist für die Gruppe nützlich. Er wird in ein Appartment in der Stadt gebracht, um ihn für Wahlkampfzwecke verfügbar zu halten. Allein in seinem Appartment, hört Alex aus der Nebenwohnung Musik. Das hält er nicht aus, denn nach seiner Behandlung löst Musik die gleichen Reaktionen aus wie die Vorstellung oder der Anblick von Gewalt. Sein Schreien &#8220;Aufhören! Aufhören!&#8221; wird nicht erhört, die Zimmertür ist abgeschlossen. Alex springt aus dem Fenster.</p>
<p>Als er im Krankenhaus wieder aufwacht, ist wiederum eine Veränderung mit ihm vorgegangen. Er kann Musik wieder hören, ohne dass ihm schlecht wird und auch seine alte Freude an Gewalt ist wieder da. Schnell hat er  neue Kumpane um sich gescharrt, doch dann endet der Roman relativ unvermittelt damit, dass Alex die Phase seiner jugendlichen Gewaltexzesse für beendet erklärt und beschließt, sich ein Mädchen zu suchen, mit dem er eine Familie gründen kann.</p>
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		<title>1984</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Jul 2010 02:02:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Science Fiction]]></category>
		<category><![CDATA[Dystopie]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>

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		<description><![CDATA[<strong>George Orwell</strong> ♦ Die düstere Vision vom totalitären Überwachungsstaat gehört zu den großen Dystopien des 20. Jahrhunderts. <a href="http://www.habenichtse.de/science-fiction/1984-roman-george-orwell/"> lesen ...</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<table border="0">
<thead>
<tr>
<th>Autor</th>
<th>erschienen</th>
<th>Originaltitel</th>
</tr>
</thead>
<tbody>
<tr>
<td>George Orwell</td>
<td>1949</td>
<td>Nineteen Eigthy-Four</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Orwells düstere Vision vom totalitären Überwachungsstaat gehört zu den großen Dystopien des 20. Jahrhunderts. Parallelen gibt es insbesondere zu dem bereits 1920 entstandenen Roman <a href="http://www.habenichtse.de/science-fiction/wir-jewgenij-samjatin/" target="_self">Wir </a>von Jewgenij Samjatin, der im Unterschied zu »1984« wenigstens noch etwas Raum für Hoffnung lässt. In Orwells Szenario, das aufgrund des trockenen, wenig poetischen Stils beklemmend realistisch wirkt, hat das Individuum keine Chance, dem brutalen System der organisierten Lüge zu entkommen. Das Symbol des »Großen Bruders«, dem allgegenwärtigen Überwacher (»Big Brother is watching you«) hat um die Jahrtausendwende durch die bekannte Fernsehshow eine makabere Popularität erlangt.</p>
<h3>Inhalt</h3>
<p><a href="#anker1">Ozeanien im Jahr 1984</a><br />
<a href="#anker2">Krieg ist Frieden</a><br />
<a href="#anker3">Unwissenheit ist Stärke</a><br />
<a href="#anker4">Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Gegenwart</a><br />
<a href="#anker5">Liebe ist Widerstand</a><br />
<a href="#anker6">Freiheit ist Sklaverei</a></p>
<p><strong><a name="anker1">Ozeanien im Jahr 1984</a></strong></p>
<p>Auf der Erde existieren noch drei Großstaaten: einer davonn ist Ozeanien, zu dem unter anderem Amerika und die britischen Inseln gehören. In Ozeanien herrscht ein streng hierarchisches System. Über allem wacht »der Große Bruder«, der immer Recht hat. Er ist allgegenwärtig, ohne jemals persönlich in Erscheinung zu treten. Jeder Bürger weiß zu jedem Zeitpunkt: Der Große Bruder sieht, was ich tue und er weiß, was ich denke. Ununterbrochen — bei der Arbeit, in der Öffentlichkeit und in der eigenen Wohnung — sind die Menschen den Teleschirmen ausgesetzt, die Parteipropaganda absondern und sie gleichzeitig observieren. Die Mitglieder der »inneren Partei« bilden eine privilegierte Schicht, die den zwangsläufig aus dem System resultierenden Mangel kaum zu spüren bekommen. Die Mittelschicht stellen die Mitglieder der »äußeren Partei«. In den Elendsquartieren leben die »Proles« — Proletarier.</p>
<p><strong><a name="anker2">Krieg ist Frieden</a></strong></p>
<p>Ozeanien befindet sich im permanentem Krieg mit einem der beiden anderen Staaten, entweder mit Eurasien oder mit Ostasien. Es kommt vor, dass der Kriegsgegner von einem Tag auf den anderen wechselt. In solchen Fällen wird die Geschichte kurzerhand umgeschrieben — was heute gefälscht wird, war morgen schon immer so. Der Zweck der Kriegsführung ist immer der Krieg selbst. Er ist notwendig, um Produktionsüberschüsse zu vernichten. Ohne den Krieg gäbe es Wohlstand für alle und, schlimmer noch, Menschen mit freier Zeit und Muße, über die bestehende Gesellschaftsordnung nachzudenken. Beides würde das hierarchische System Ozeaniens in seiner Existenz bedrohen.</p>
<p>»Krieg ist Frieden« lautet nicht ohne Grund eine der drei Parolen der Partei, die überall auf Plakaten zu lesen sind. Wer sich dieses Grundes bewusst ist, ist allerdings so gut wie tot — denn diesen Gedanken zu denken, ist ein Gedankenverbrechen, das von der Gedankenpolizei früher oder später aufgedeckt wird. Die Bevölkerung ist zwar permanenter Kriegspropaganda ausgesetzt, bekommt aber von den eigentlichen Kriegshandlungen wenig mit. Ab und zu schlagen Raketen ein, es gibt ein paar Hundert Tote — aber das sind fast immer Proles, und die zählen nicht. Es ist nicht ganz auszuschließen, dass die Bombardierungen von der Partei selbst inszeniert werden, um in der Bevölkerung den Hass zu schüren, der sie euphorisiert und den Mangel klaglos hinnehmen lässt. Jeden Tag wird der gemeinschaftliche Zweiminutenhass veranstaltet, dem sich kein Parteimitglied entziehen kann. Der Höhepunkt des Propagandajahres ist die Hasswoche.</p>
<p>Der wirkliche Krieg findet im Inneren des Staates Ozeanien statt. Wer sich nur der geringsten Abweichung von den Parteidoktrin schuldig — oder auch nur verdächtig — macht, wird vaporisiert: physisch und psychisch vernichtet, und zwar so gründlich, dass nichts mehr an seine Existenz erinnert. Die Vermeidung dieses Schicksals bedeutet ein Maß an Anpassung, dass eine Existenz als Individuum nicht mehr zulässt.</p>
<p><strong><a name="anker3">Unwissenheit ist Stärke</a></strong></p>
<p>Winston Smith, der Protagonist der Handlung, arbeitet im Ministerium für Wahrheit. Das Ministerium für Wahrheit (»Miniwahr«) hat unter anderem dafür zu sorgen, dass keine Prognose des Großen Bruders jemals mit der tatsächlichen Entwicklung in Widerspruch gerät. Dazu muss gegebenenfalls die Vergangeneinheit umgeschrieben werden — koste es, was es wolle. Unzählige Ministeriumsangestellte wie Winston sind permanent damit befasst, alte Zeitungsartikel und sonstige Dokumente den aktuellen Ereignissen »anzupassen«. In diesem Zusammenhang das Wort »fälschen« auch nur zu denken, wäre ein Gedankenverbrechen. Also ein tödlicher Fehler. Umgeschrieben werden Meldungen auch dann, wenn eine Person zur Unperson geworden ist. Mitglieder der äußeren Partei wie Winston Smith tilgen jeden noch so kleinen Hinweis, dass die betreffende Person jemals existiert hat.</p>
<p>Eine andere Abteilung arbeitet daran, die Sprache immer weiter zu vereinfachen, um feinere Nuancierungen unmöglich zu machen und so die Kommunikation zwischen den Individuen auf ein kontrollierbares Spektrum zu reduzieren. Das eigentliche Ziel ist die Reduktion des Denkens. Das sogenannte »Neusprech« enthält weniger Wörter, keine Adjektive, die das Gegenteil eines anderen bezeichnen, keine Steigerungsformen. Stattdessen werden Vorsilben wie mathematische Operatoren gebraucht, also »ungut« anstatt »schlecht«, »plusgut« anstatt »besser«. Wörter werden umgedeutet, manchmal bis in ihr Gegenteil. Ein Beispiel ist das Ministerium für Wahrheit selbst, das in Wahrheit eine Lügenfabrik ist.</p>
<p>In der Romanabteilung arbeiten Parteimitglieder daran, Groschenhefte, oft pornografischen Inhalts, herzustellen, mit denen die Proles ruhig gestellt werden. Verfassen wäre für diese Tätigkeit das falsche Wort — es handelt sich eher um einen technischen Prozess. Industrielle Textproduktion sozusagen.</p>
<p><strong><a name="anker4">Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Gegenwart</a><br />
</strong></p>
<p>Die Doktrin von der »Veränderbarkeit der Vergangenheit« ist eine tragende Säule der Ideologie Ozeaniens. Wenn aber die Vergangenheit jederzeit änderbar ist, dann hört sie auf, als reale Geschichte zu existieren. Die Rebellion des Parteimitglieds Winstons Smith beginnt mit dem Gedanken, dass es unter den vielen Schichten der Fälschung eben doch eine wahre Version der Vergangenheit gibt. Er ringt um seine eigenen Erinnerungen und beginnt, ein Tagebuch zu schreiben. Winston beginnt die Partei zu hassen. Er ist überzeugt von der Existenz der Bruderschaft, einer gegen die Partei gerichteten Untergrundorganisation. Eines Tages tauscht er während des Zweiminutenhasses einen langen Blick mit O’Brien, einem Mitglied der inneren Partei. Dies verstößt so sehr gegen die Regeln, dass Winston sicher ist, ein Mitglied der geheimen Opposition vor sich zu haben. Er steigert sich so in diesen Gedanken hinein, dass er seine Tagebuchnotizen an O&#8217;Brien richtet und ihm eines Nachts im Traum begegnet. In diesem Traum sagt O&#8217;Brien zu ihm einen Satz, den er als Bestätigung seiner Vermutung interpretiert:</p>
<blockquote><p><em>Wir werden uns an dem Ort treffen, wo keine Dunkelheit herrscht.</em></p></blockquote>
<p>Immer stärker zieht es Winston in die Viertel der Proles, wo am ehesten noch Spuren der Vergangenheit erkennbar sind. Sein Tagebuch kauft er in einem kleinen Kramladen, zu dem es ihn instinktiv zurückzieht. Bei seinem zweiten Besuch zeigt ihm Mr. Charrington, der Ladenbesitzer, ein altmodisches Zimmer, dass er früher mit seiner Frau bewohnt hat und das eine große Faszination auf Winston ausübt.</p>
<p><strong><a name="anker5">Liebe ist Widerstand</a></strong></p>
<p>Mit Winstons innerem Widerstand wächst auch seine Paranoia — ein falscher Blick, ein falsches Wort, ein kurzes Zögern könnte tödlich sein. Schon fürchtet Winston, dass Julia, eine junge Kollegin aus der Romanabteilung einen Verdacht gegen ihn hegt. Julia ist eine besonders stramme Parteigenossin, engagiert in der Junioren-Gegen-Sex-Liga und die eifrigste beim Zweiminutenhass. Doch dann ist alles ganz anders. Julia steckt Winston heimlich einen Zettel zu, auf dem steht: <em>Ich liebe dich</em>.</p>
<p>Winston fühlt sich mit seinen 39 Jahren alt und vollkommen desillusioniert. Er ist verheiratet, hat aber zu seiner Frau seit langem keinen Kontakt mehr. In seiner Ehe, als es noch eine war, gab es keine Erotik, was ganz den Vorstellungen der Partei entsprach. Sex hat demnach einzig den Zweck, Nachwuchs für das System heranzuschaffen. Für Winstons Frau wäre Sinnlichkeit ein Verbrechen gewesen, hätte sie gewusst, dass es so etwas gibt. Schlimmer noch: überhaupt einen eigenen Gedanken zu haben, ist nicht mit ihrer absoluten Ergebenheit gegenüber der Partei vereinbar.</p>
<p>Die Offerte der jungen, tatkräftigen Julia lässt Winston nicht einen Moment zweifeln. Er hat keine Angst, in eine Falle zu tappen. Seine einzige Angst ist, sie könnte es sich anders überlegen, denn ein Treffen einzufädeln ist angesichts der permanten Überwachung nicht ganz einfach. Es wäre absolut tödlich für beide, würde die Partei von ihrer Beziehung erfahren. Julia arrangiert ein heimliches Treffen auf dem Land — sie scheint in solchen Dingen erfahren zu sein. Der erste Sex ist mehr ein Anschlag gegen die Partei, als ein Liebesakt.</p>
<p>Doch zwischen beiden wächst eine Beziehung, in der die gegenseitige Liebe nicht von der beiderseitigen Ablehnung der Partei zu trennen ist. Nach einem zweiten Treffen an einem konspirativen Ort entschließt sich Winston, das Zimmer im Haus von Mr. Charringteon als »Liebesnest« zu mieten. Die Stunden in diesem Zimmer verbringen Julia und Winston wie ein normales Liebespaar unter normalen Umständen. Sie lieben sich, trinken Kaffee (den es nur auf dem Schwarzmarkt gibt) und reden, reden, reden. Sehr oft natürlich über die Partei und ihre Ablehnung des Lügenstaates. Während Winstons Rebellion das Ergebnis einer Entwicklung und eines Denkprozesses ist, kommt Julias Hass aus dem Bauch. Sie ist sich ihrer Haltung so sicher, dass sie kein Problem damit hat, nach außen die eifrige Parteigenossin zu spielen. Im Unterschied zu Winston glaubt die 13 Jahre jüngere Julia nicht an die Möglichkeit, dass System auch nur im geringsten angreifen zu können. Ihr Ausweg besteht darin, sich durch geschickte Tarnung Freiräume zu schaffen. Winston erzählt Julia von O&#8217;Brien und der von ihm vermuteten Untergrundorganisation. Schließlich fasst er den Mut, sich O&#8217;Brien zu offenbaren. Gemeinsam mit Julia sucht er ihn auf, um ihrer beider Bereitschaft zum Widerstand zu erklären.</p>
<p><strong>Freiheit ist Sklaverei</strong></p>
<p>Der Mann, auf den Winston all seine Hoffnung gesetzt hatte, ist ein Spion der Gedankenpolizei. Während eines Treffens in ihrem Liebesnest werden Julia und Winston verhaftet und ins »Ministerium für Liebe« gebracht. Auch Mr. Charrington, der Ladenbesitzer, ist ein Verräter und Mitglied der Gedankenpolizei. Über einen Teleschirm, der hinter einem Bild versteckt war, hat er das Paar bei all seinen Treffen beobachtet. Winston wird gefoltert, und er hat allen Grund zu der Annahme, dass Julia das gleiche geschieht. Unter der Folter gesteht er alles, was seine Peiniger hören wollen. Doch Geständnisse, selbst von nicht begangenen Verbrechen, sind der Partei nicht genug. O&#8217;Brien, der nach den ersten, routinemäßigen Folterungen die zweite Phase der »Verhöre« übernimmt, will seine Opfer »umerziehen«. Was nichts anderes heißt als Gehirnwäsche. Die Umerziehung ist in O&#8217;Briens Augen erst dann erfolgreich, wann er sein Opfer gezwungen hat, die Partei von ehrlichem Herzen zu lieben. Im Falle von Winston ist es die Liebe zu Julia, die nach langen Folterungen noch immer zwischen ihm und der Partei steht. Deshalb wird Winston schließlich ins berüchtigte Zimmer 101 gebracht, in dem jeder Delinquent seine persönliche Hölle erlebt. Winston hat panische Angst vor Ratten, ein Detail, dessen Kenntnis die Partei ihrem Spitzel Charrington verdankt. In Zimmer 101 wird er damit bedroht, dass ihm hungrige Ratten bei lebendigen Leib das Gesicht wegfressen würden. Als Winston darum fleht, seine Folterer mögen dies nicht ihm sondern Julia antun, hat die Partei ihr Ziel erreicht.</p>
<p>Winston wird irgendwann frei gelassen. Als gebrochener Mann, nur noch an Gin interessiert, begegnet er eines Tages Julia. Auch sie wirkt gebrochen, geradezu plump im Vergleich zu früher. Sie gesteht Winston, dass sie ihn in Zimmer 101 verraten hat. Ansonsten ist nichts mehr da, was sie sich zu sagen hätten.</p>
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