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	<title>Website der Habenichtse &#187; Schwarze Romantik</title>
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	<description>Fantastische Literatur &#38; Science Fiction</description>
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		<title>Der Sandmann</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Aug 2010 06:02:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Märchenhaftes]]></category>
		<category><![CDATA[Schauerliches]]></category>
		<category><![CDATA[Paranoia]]></category>
		<category><![CDATA[Realität]]></category>
		<category><![CDATA[Roboter]]></category>
		<category><![CDATA[Schwarze Romantik]]></category>

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		<description><![CDATA[<strong>E.T.A. Hoffmann</strong> ♦ Der Student Nathanel steigert sich in Wahnvorstellungen, die ihm Reales als künstlich und Künstliches lebendig erscheinen lassen.  <a href="http://www.habenichtse.de/marchen/der-sandmann-2/"> lesen ...</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Erzählung von <a href="http://www.habenichtse.de/biografie/e-t-a-hoffmann/" target="_self">E.T.A. Hoffmann</a><br />
Erstveröffentlichung 1817 in »Nachtstücke«</p>
<p>Die Erzählung »Der Sandmann« ist die inhaltliche Grundlage des zweiten Aktes der Oper »Hoffmanns Erzählungen« von Jacques Offenbach sowie des Balletts »Coppélia« von Leo Delibes. <em> </em></p>
<h3><strong>Inhalt</strong></h3>
<p><strong>Zusammenfassung</strong></p>
<p>Protagonist der Erzählung ist der Student Nathanael, der an seiner ins Wahnhafte verzerrten subjektiven Wahrnehmung der Realität zugrunde geht. Die Figur des Sandmanns, der den Kindern Sand in die Augen streut, damit sie ihre Augen reiben und schlafen, ist für Nathanael mit einem traumatischen Kindheitserlebnis verknüpft. In seiner Fantasie verschmilzt der Sandmann mit zwei realen Figuren – eine aus seiner Kindheit, eine aus der Gegenwart – zu einem Monster, das nach dem Prinzip der sich selbst erfüllenden Prophezeiung letztlich seinen Untergang herbeiführt.</p>
<p>Zum offenen Ausbruch kommt der innere Konflikt Nathanaels, als er Olimpia, die Tochter seines Professors kennenlernt. Nathanael nimmt Olimpia als verständnisvolles, einfühlsames Wesen wahr, das im Gegensatz zu seiner Verlobten Clara die Tiefe seiner Empfindungen und Ahnungen ermessen kann. In der Realität erweist sich Olimpia als Holzpuppe mit äußerst geschickt installierter Mechanik.</p>
<p><strong>Vorgeschichte</strong></p>
<p>Die Erzählung beginnt mit einem Brief Nathanaels an seinen Freund und Stiefbruder Lothar. Darin berichtet er von einer Begegnung an seinem Studienort, die ihn einen Zustand düsterer Erinnerungen und Vorahnungen versetzt hat. Für Lothar wie für den Leser bliebe der Grund für Nathanaels Beunruhigung unklar, würde nicht Nathanael selbst in seinem Brief die verstörenden Erlebnisse seiner Kindheit offenbaren.</p>
<p>Der Auslöser für Nathanaels emotionale und psychische Krise ist die Begegnung mit italienischen Händler Coppola, der ihm ein Wetterglas verkaufen wollte. Nathanael glaubt, in Coppola die Negativfigur seiner Kindheit wiederzuerkennen, den Advokaten Coppelius, der ein häufiger Gast im Hause seiner Eltern war. Nathanael und seinen Geschwistern war dieser grobschlächtige Mann widerlich, ja verhasst. Er verdirbt ihnen bei Tisch kleine Freuden und scheint sein Vergnügen aus der instinktiven Abneigung der Kinder zu ziehen.</p>
<p>Bei dem sensiblen Nathanael verbindet sich diese Abneigung mit einem Gefühl des Unheimlichen. Nie sind die Kinder Zeugen der abendlichen Treffen mit dem Vater, was Raum für Vermutungen schafft. Jedesmal werden sie ins Bett geschickt, kurz bevor Coppelius eintrifft. Zu den Gewohnheiten der Familie gehört es, dass der Vater den Kindern vor dem Schlafen lebhafte Geschichten erzählt. Die Atmosphäre familiärer Vertrautheit wird also durch den ohnehin schon unsympathischen Coppelius zerstört. Zudem spüren die Kinder deutlich die Aversion ihrer Mutter gegen die abendlichen Treffen. Nie wird in der Familie darüber gesprochen, was die beiden an solchen Abenden treiben, doch scheint in Anbetracht all der negativen Eigenschaften des Coppelius klar, dass es nichts Gutes sein kann.</p>
<p>Um das widerstebende Kind ins Bett zu bringen, bedient sich die Mutter des alten Märchens vom Sandmann, der den Kindern Sand in die Augen streut, um sie müde zu machen. Nathanael will es genauer wissen und fragt seine Amme, was es mit dem Sandmann auf sich hat. Die Amme schmückt die leicht dahingesagten Worte der Mutter mit grausigen Details. Ein bleibendes Bild hinterlässt die Schauergeschichte, dass der Sandmann den Kindern die Augen herausreißt und an seine eigenen Kinder verfüttert, die in der Sichel des Mondes auf ihn warten. Nathanael projiziert seine Schreckensvorstellungen auf den verhassten, unheimlichen Coppelius. Eines Abends will er der Sache auf den Grund gehen und versteckt sich hinter einem Vorhang. Es stellt sich heraus, dass der Vater und Coppelius »alchemistische Versuche« unternehmen. Über deren Natur wird in der Erzählung nichts Näheres gesagt; sie können wohl für das Unheimliche, Düstere und Zerstörerische schlechthin stehen. Nathanael wird beim Ausspionieren entdeckt und bekommt Coppelius’ Zorn zu spüren. Fortan ist er überzeugt, dass Coppelius ihn »auf dem Kieker hat«. Als der Vater kurze Zeit später durch einen Unfall bei einem Versuch zu Tode kommt, steht für Nathanael Coppelius als Schuldiger fest.</p>
<p><strong>Hauptgeschichte</strong></p>
<p>Dies schreibt Nathanael vermeintlich an Lothar, adressiert den Brief jedoch in seiner Verwirrtheit an dessen Schwester Clara, die nicht nur seine eigene Stiefschwester sondern auch seine Verlobte ist. Auf den Brief folgt eine Antwort Claras sowie eine zweiter Brief Nathanaels an Lothar; anschließend wird die Geschichte von einem fiktiven Erzähler wiedergegeben, der sich selbst als ein guter Freund Lothars vorstellt. Clara wird dargestellt als Leuchtturm in Nathanaels zunehmend von Düsternis und Wahnvorstellungen umnachteten Welt, doch ist die Figur der Clara fast zu perfekt, um den Leser ganz überzeugen könnte.</p>
<p>Lothar und Clara waren nach dem Tod von Nathanaels Vaters verwaist und deshalb von der Mutter aufgenommen worden. Beide wussten offenbar bisher nichts über die Todesumstände des Vater, was vermuten lässt, dass diese als dunkles Geheimnis auf der Familie lasteten und von Coppelius später nie mehr gesprochen wurde. Clara erfährt durch den fehlgeleiteten Brief, welche düsteren Gedanken ihren Verlobten quälen. Sie antwortet Nathanael einfühlsam und besonnen, zeigt Verständnis für seine subjektive Interpretation der harmlosen Begegnung mit Coppola, bittet ihn aber gleichzeitig, Fantasie und Realität zu unterscheiden. Außerdem übergibt sie den Brief ihrem Bruder Lothar.</p>
<p>Nathanael schreibt einen weiteren Brief an Lothar, in dem er ihn bittet, nicht mehr mit Clara über seine mentalen Probleme zu sprechen. Hier deutet sich ein erster Riss zwischen Nathanael und Clara an, der in der weiteren Handlung immer größer wird. Nathanaels zweiter Brief an Lothar ist in einem eher nüchternen Ton gehalten; es geht darin weniger um innere Befindlichkeiten als um den Alltag eines Studenten. Unter anderem berichtet er von Professor Spalanzani, bei dem er Physik studiert, und erwähnt auch beiläufig dessen seltsame Tochter Olimpia, die der Professor aus irgendeinem Grund vor der Welt versteckt.</p>
<p>Um Abstand von der beängstigenden Begegnung zu gewinnen und sich der vertrauten Realität zu versichern, fährt Nathanael auf Besuch nach Hause. Dieser Heimaturlaub ist nicht ungetrübt, da sich Nathanael weiter seinen düsteren Fantasien hingibt. Er verrennt sich in die Vorstellung, dass sein Geschick von einer finsteren Macht gelenkt wird, wobei der Sandmann alias Coppelius alias Coppola das Böse verkörpert. Nathanaels Verhältnis zu Clara wird zwiespältig: Einerseits sieht er sie als Gegenpol zur Finsternis seiner Fantasie, andererseits spürt er, dass die vernünftige Clara sein Seelenleben nie wirklich verstehen wird. Auch Claras Gefühle für Nathanael scheinen sich zu verändern: War sie ursprünglich noch rücksichts- und verständnisvoll in Anbetracht der traurigen Erlebnisse in Nathanaels Kindheit, so zeigt sie ihm nun immer deutlicher, dass seine Fantasien für sie nur Wiederholungen des immer gleichen Themas sind, die sie langweilen.</p>
<p>Die Situation eskaliert, als er ihr sein mit großer Ernsthaftigkeit verfasstes Gedicht vorträgt, in dem er – kunstvoll, wie er meint – seinen düsteren Ahnungen von der Bedrohung ihrer Liebe Ausdruck verleiht. Claras Zurückweisung ist für ihn nun nicht mehr nur Ignoranz gegenüber seinem Seelenleben, sondern auch eine Ohrfeige für den romantischen Künstler, als den er sich mittlerweile sieht. Ihr Streit gipfelt in dem an Clara gerichteten Vorwurf:</p>
<blockquote><p><em>Du seelenloses Automat!</em></p></blockquote>
<p>Dies wiederum erbost Claras Bruder Lothar so sehr, dass der ihn zum Duell fordert. Dieses kann von Clara gerade noch verhindert werden. Die drei finden wieder zueinander, und Nathanael verspricht vor seiner Abreise an seinen Studienort, von seinen düsteren Fantasien abzulassen.</p>
<p>Wieder an seinem Studienort angekommen, muss Nathanael feststellen, dass das Haus, in dem er sein Zimmer hatte, abgebrannt ist. Nathanael bezieht ein neues Zimmer, das unmittelbar gegenüber dem Haus des Professors Spalanzani liegt. Er beobachtet die meist reglos in ihrem Zimmer sitzende Olimpia, registriert ihre Schönheit, die vom Erzähler allerdings nicht Schönheit, sondern »Ebenmaß« genannt wird, bleibt ihr gegenüber aber noch gleichgültig. Erst als er von dem erneut auftauchenden Coppola ein »Perspektiv« (ein Fernglas) erwirbt, ist es um ihm geschehen. Damit kann er nicht nur Olimpia von Nahem betrachten, sondern, wie es den Anschein hat, ihre Augen zum Leuchten bringen, ja, sie beseelen. Schließlich lädt der Professor zu einem Ball, bei dem er seine Tochter Olimpia erstmals der Öffentlichkeit vorstellen will. Auch der verliebte Nathanael erhält eine Einladung. Olimpia singt zur Begrüßerung eine Arie, Nathanael fordert sie zum Tanzen auf und gewinnt zu seinem eigenen Erstaunen ihre Zuneigung.</p>
<p>Auf die übrigen Gäste hat Olimpia eine gänzlich andere Wirkung: ihre Bewegungen scheinen starr und mechanisch, ihr Stimme so glockenklar, dass es kaum mehr menschlich ist. Auch registrieren alle (außer Nathanael), das sie nichts anderes zu sagen weiß als: Ach! Ach! Nathanael ficht das nicht an, und seine Verlobte Clara ist von diesem Abend an vergessen. In den nächsten Tagen verbringt er viele schwärmerische Stunden mit Olimpia. Er glaubt, in ihr das Verständnis für seine mystische Seite zu finden, das er bei Clara vermisste. Hier zeigen sich durchaus narzisstische Züge, denn eigentlich begeistert sich Nathanael nicht für Olimpia, sondern für sein eigenes Spiegelbild, das sie ihm zurückwirft. Dass Olimpia selbst merkwürdig leer, ohne Persönlichkeit ist, nimmt er nicht wahr. Er ist sich sicher, dass er Olimpia heiraten will und wagt bei Spalanzani einen entsprechenden Vorstoß. Als er schließlich in Spalanzanis Haus kommt, um einen offiziellen Heiratsantrag zu machen, gerät er in eine heftige Auseinandersetzung zwischen Spalanzani und Coppola. Den Gesprächsfetzen ist zu entnehmen, dass beide darum streiten, wer Olimpia »gemacht« hat: »Ich, ich hab die Augen gemacht« (Coppola) &#8211; »ich das Räderwerk« (Spalanzani).</p>
<p>Offensichtlich ist Olimpia eine Puppe. Das kann Nathanael schließlich zwar sehen, aber nicht begreifen. Vielmehr löst der Anblick Olimpias bei Nathanael einen schweren Wahnsinnsanfall aus, in dem alle düsteren Motive und Symbole seiner Fantasie vorkommen: Olimpia hat im Gesicht schwarze Höhlen, wo vorher ihre Augen waren, Spalanzani hat sich an den Glasscherben aufgeschnitten und wälzt sich im Blut, Coppola flieht mit der leblosen Puppe. Nathanael sieht am Boden Olimpias blutige Augen, die Spalanzani nach ihm wirft.</p>
<blockquote><p><em>Da packte ihn der Wahnsinn mit glühenden Krallen und fuhr in sein Inneres hinein Sinn und Gedanken zerreißend. »Hui &#8211; hui &#8211; hui! &#8211; Feuerkreis &#8211; Feuerkreis! dreh dich Feuerkreis &#8211; lustig &#8211; lustig! &#8211; Holzpüppchen hui schön Holzpüppchen dreh dich -« damit warf er sich auf den Professor und drückte ihm die Kehle zu.</em></p></blockquote>
<p>Nach dieser Eskalation scheint sich die Situation zu entspannen. In der Stadt wird bekannt, dass Spalanzani die Leute mit einer Puppe genarrt hat. Nathanael wird wieder von seiner Familie aufgenommen und erwacht zu Hause bei Clara, Lothar und seiner Mutter langsam wie aus einem schweren Alptraum. Alles scheint doch noch ein gutes Ende zu nehmen, zumal die Familie durch eine unverhoffte Erbschaft aller finanziellen Sorgen enthoben ist. Es steht fest, dass Nathanael und Clara nun heiraten werden und dass die Familie sich auf dem geerbten Gut unweit der Stadt niederlassen werden. Nach einem Einkauf in der Stadt beschließen Clara und Nathanael, den Turm zu besteigen, auf dem sich der finale Wahnsinnsanfall ereignet. Um ein Detail in der Ferne zu erkennen, zieht er mechanisch das verhängnisvolle Perspektiv aus der Tasche, richtet es aber nicht auf die Landschaft sondern auf Clara. Durch das Perspektiv sieht ein Zerrbild seiner Fantasie.</p>
<blockquote><p><em>Totenbleich starrte er Clara an, aber bald glühten und sprühten Feuerströme durch die rollenden Augen, gräßlich brüllte er auf, wie ein gehetztes Tier; dann sprang er hoch in die Lüfte und grausig dazwischen lachend schrie er in schneidendem Ton: »Holzpüppchen dreh dich &#8211; Holzpüppchen dreh dich«</em></p></blockquote>
<p>Nathanael versucht, Clara vom Turm zu werfen; sie kann sich jedoch am Geländer festklammern, bis sie von ihrem Bruder Lothar gerettet wird. Schließlich stürzt sich Nathanael selber in den Tod.</p>
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		<title>Der blonde Eckbert</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Jul 2010 18:56:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Märchenhaftes]]></category>
		<category><![CDATA[Schauerliches]]></category>
		<category><![CDATA[Schwarze Romantik]]></category>
		<category><![CDATA[Wahnsinn]]></category>

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		<description><![CDATA[<strong>Ludwig Tieck</strong> ♦ Die Frau des blonden Ritters Eckbert hat eine dunkles Geheimnis, das wie ein böser Fluch über dem Paar liegt und schließlich beider Untergang herbeiführt. <a href="http://www.habenichtse.de/marchen/der-blonde-eckbert/"> lesen ...</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kunstmärchen von <a href="http://www.habenichtse.de/biografie/ludwig-tieck/" target="_self">Ludwig Tieck<br />
</a> Erstveröffentlichung 1797</p>
<p>Das Kunstmärchen »Der blonde Eckbert« zählt zu den frühesten Werken der Romantik. Es erschien erstmals in der Sammlung »Volksmährchen« (hg. von Ludwig Tieck unter dem Pseudonym Peter Lebrecht), die auch die bekannten Märchenspiele »Der gestiefelte Kater« und »Ritter Blaubart« enthielt.<br />
Mit seinen Motiven &#8211;  Kindesmisshandlung, Verlassenheit, verdrängte Schuld, Wahnsinn und Mord &#8211;.kann »Der blonde Eckbert« als frühes Beispiel der Horrorliteratur angesehen werden.</p>
<h3>Inhalt</h3>
<p>Auf seiner Burg im Harz lebt der Ritter Eckbert mit seiner Frau Bertha, die die Einsamkeit ebenso sehr liebt wie er selbst &#8230;</p>
<blockquote><p><em>&#8230; und beide schienen sich von Herzen zu lieben, nur klagten sie gewöhnlich darüber, dass der Himmel ihre Ehe mit keinen Kindern segnen wollte.</em></p></blockquote>
<p>Nie ist der blonde Eckbert in Streitereien verwickelt. Gäste werden auf Eckberts Burg nur selten und mit freundlicher Zurückhaltung empfangen.</p>
<blockquote><p><em>Eckbert war alsdann heiter und aufgeräumt, nur wenn er allein war, bemerkte man an ihm eine gewisse Verschlossenheit, eine stille zurückhaltende Melancholie.</em></p></blockquote>
<p>Eckberts Melancholie ist Ausdruck seiner unausgesprochenen Erwartung einer Bestrafung für ein Vergehen Berthas in ihrer Jugend. Der einzige Mensch, zu dem Eckbert und Bertha engeren Kontakt knüpfen, ist Philipp Walther, in dem Eckbert einen Seelenverwandten sieht. Eines Abends beschließt Eckbert, sich dem Freund ganz zu öffnen:</p>
<blockquote><p><em>»Freund, Ihr solltet Euch einmal von meiner Frau die Geschichte ihrer Jugend erzählen lassen, die seltsam genug ist.«</em></p></blockquote>
<p>Bertha erzählt nun ihre Geschichte. Demnach wurde sie als Tochter eines armen Hirten geboren. Oft gab es nicht genug zu essen, und Vater und Mutter gerieten wegen der Armut miteinander in Streit. Ihrem Selbstbild nach ist Bertha ein »dummes« und »unnützes« Kind, das wenig Geschick und Neigung zeigt, den Eltern bei ihrer Arbeit zu helfen. Stattdessen gibt sie sich Tagträumen hin, die von Rittern und unverhofftem Reichtum handeln. Als Bertha etwa acht Jahre alt ist, greift der Vater hart durch:</p>
<blockquote><p><em>&#8230; er setzte mir mit Drohungen hart zu, da diese aber doch nichts fruchteten, züchtigte er mich auf die grausamste Art und fügte hinzu, dass diese Strafe mit jedem Tage wiederkehren sollte &#8230;</em></p></blockquote>
<p><em><br />
</em>In ihrer Verzweiflung flieht Bertha &#8212; ohne Ziel und mutterseelenallein &#8212; in den Wald.<em> </em>Nach einigen Tagen begegnet sie einer wunderlichen alten Frau, die sie wie eine Tochter in ihrer Waldhütte aufnimmt. Die Alte gibt ihr nicht nur Unterkunft und Nahrung, sondern Geborgenheit, ein Gefühl, das das Mädchen bisher nicht kannte. Oft ist die Alte eine zeitlang fort, anfangs für ein paar Stunden, später Tage und Wochen. Bertha versorgt dann die beiden Haustiere, einen kleinen Hund und einen seltsamen Vogel, der immer wieder das gleiche Lied singt:</p>
<blockquote><p><em>Waldeinsamkeit<br />
Die mich erfreut,<br />
So morgen wie heut<br />
In ew&#8217;ger Zeit<br />
O wie mich freut<br />
Waldeinsamkeit.</em></p></blockquote>
<p>Als Bertha etwa zwölf Jahre alt ist, vertraut ihr die Alte an, was es mit dem Vogel für eine Bewandnis hat: Jeden Tag legt dieser ein Ei, und zwar kein gewöhnliches, sondern eine Perle oder einen Edelstein. Bertha lernt von der Alten spinnen und lesen. Aus dem, was sie liest, formt sie sich ihr Bild von der Welt. Zunehmend genießt sie die Abwesenheit der Alten, denn dann fühlt sie sich als Gebieterin des Hauses. Im Alter von vierzehn Jahren löst sie sich auf höchst undankbare Weise von der Frau, die sie gerettet und behütet hat. Mit dem kostbaren Vogel sowie einem kleinen Vermögen an Perlen und Edelsteinen macht sie sich auf in die Welt. Das Hündchen, an dessen Namen sie sich beim besten Willen nicht erinnern kann, bindet sie in der Hütte fest und gibt es damit dem Tod durch Verhungern preis.</p>
<p>In ihrer Fantasie hatte sie sich oft ausgemalt, dass sie, zu Reichtum gelangt, ihre Eltern aus Armut und Not retten würde. Deshalb steht das Ziel ihrer Flucht fest. Doch in ihrem Heimatdorf muss sie erfahren, dass beide Eltern schon seit drei Jahren tot sind.</p>
<blockquote><p><em>&#8230; das, worauf ich am meisten immer im Leben gehofft hatte, war für mich auf ewig verloren.</em></p></blockquote>
<p>Der Vogel hatte seit der Flucht schon lange nicht mehr gesungen, doch dann singt er eines Nachts unaufhörlich sein altes Lied mit verändertem Text:</p>
<blockquote><p><em>Waldeinsamkeit<br />
Wie liegst du weit!<br />
O Dir gereut<br />
Einst mit der Zeit<br />
Ach einz&#8217;ge Freud<br />
Waldeinsamkeit.</em></p></blockquote>
<p>In dieser Nacht erwürgt Bertha den Vogel. Nach der Schilderung dieser Untat endet Berthas Geschichte abrupt mit dem Satz:</p>
<blockquote><p><em>Schon lange kannt&#8217; ich einen Ritter, der mir überaus gefiel, ich gab ihm meine Hand &#8212; und hiermit, Herr Walther, ist meine Geschichte geendigt.</em></p></blockquote>
<p>Neben Eckbert gibt es nun einen zweiten Menschen, der von Berthas Schuld weiß. Eckbert bereut noch am gleichen Abend, seine Frau zu dieser Vertraulichkeit veranlasst zu haben. Anstatt die Freundschaft zu vertiefen, ist durch die Offenbarung eine unheilvolle Mitwisserschaft entstanden. Vermutlich hegt Eckbert gegenüber seiner Frau &#8212; bei aller Liebe &#8212; auch negative Gefühle, die er sich selbst nicht eingesteht und nun auf seinen Freund Walther projiziert. Und tatsächlich verhält sich Walther &#8212; in Eckberts Wahrnehmung &#8212; schon am nächsten Morgen und beim Abschied weniger herzlich, als es seiner Gewohnheit entspricht. Seine Besuche auf Eckberts Burg werden seltener und kühler.</p>
<p>Bertha ist seit jenem Morgen krank, und ihr Zustand verschlechtert sich zusehends. Schließlich vertraut sie ihrem Mann an, was sie quält: Walther hatte bei der Verabschiedung an jenem Abend einen Satz gesagt, der ihre verdrängten Schuldgefühle mit einem Schlag an die Oberfläche gebracht hat:</p>
<blockquote><p><em>Ich kann mir Euch recht vorstellen, wie Ihr den kleinen Strohmi füttertet.</em></p></blockquote>
<p>Strohmi ist der seit Jahrzehnten vergessene Name des Hündchens! Wie kommt es, dass Walther ihn weiß? Und vor allem: Was weiß er sonst noch? Eckbert sieht seine Frau leiden, und Schuld ist seiner Meinung nach Walther, der einzige Mann, dem er je vertraute. An einem stürmischen Wintertag tötet er Walther mit einem Schuss aus der Armbrust. Als er von dieser Tat auf seine Burg zurückkehrt, ist Bertha tot. Von nun an ist es Eckbert selbst, der von Schuldgefühlen gequält wird:</p>
<blockquote><p><em>Die Ermordung seines Freundes stand ihm unaufhörlich vor Augen, er lebte unter ewigen inneren Vorwürfen.</em></p></blockquote>
<p>Auf der Suche nach Zerstreuung begibt er sich gelegentlich in die Stadt, wo er den Ritter Hugo von Wolfsberg kennenlernt. Der scheint ihm gegenüber freundschaftliche Gefühle zu hegen, und Eckbert wiederum sehnt sich nach einem neuen Freund. Doch nach seiner Missetat ist er nicht mehr in der Lage, reine Freundschaft zu empfinden. Sein Gewissen sagt ihm, dass Hugo ihm nur aus Unkenntnis seines wahren Charakters zugetan ist. Würde er ihn auch lieben, wenn er wüsste, dass er ein Mörder ist? In einem Moment besonderer Vertrautheit offenbart Eckbert sich seinem neuen Freund &#8212; um die gleiche Enttäuschung zu erleben, wie zuvor mit Walther.</p>
<p>Hugos unmittelbare Reaktion ist von Mitgefühl und wahrer Freundschaft geprägt. Doch als Walther ihn kurz darauf bei einem Fest trifft, scheint ihm Hugos Verhalten kühl und unverbindlich. Statt mit ihm unterhält sich Hugo ausgiebig und vertraulich mit einem alten Ritter, wobei die beiden immer wieder zu Eckbert schauen. Eckberts Unfähigkeit zu vertrauen steigert sich zum Wahnsinn. Er sieht im Saal Walthers Gesicht, seine wohl bekannte Gestalt. Und plötzlich <em>ist</em> es Walther, mit dem sich Hugo so angeregt unterhält.</p>
<p>Eckbert flieht auf seine Burg, findet dort aber keine Ruhe. Er begibt sich zu Pferd in einsamste Gegenden, und als er nach Tagen erstmals wieder einen Menschen trifft (einen alten Bauern), ist es für ihn niemand anders als Walther. Voller Entsetzen reitet er sein Pferd zu Schanden und geht zu Fuß weiter. Schließlich hört er im Wald einen Vogel, der das wunderliche Lied von der Waldeinsamkeit singt. Da erscheint eine alte Frau:</p>
<blockquote><p><em>»Bringst Du meinen Vogel? Meine Perlen? Meinen Hund?«, schrie sie ihm entgegen. »Siehe, das Unrecht bestraft sich selbst. Niemand als ich war Dein Freund Walther, Dein Hugo &#8212; «</em></p></blockquote>
<p>Eckbert beginnt den Abgrund zu erkennen, an dessen Rand er sein stilles und scheinbar friedliches Leben errichtet hat. Doch die Alte hat noch mehr zu enthüllen. Bertha war eine uneheliche Tochter seines eigenen Vaters und wurde auf Drängen der Ehefrau zu jenem Hirten gegeben, den Bertha für ihren Vater hielt. Eckbert hat also all die Jahre mit seiner Halbschwester zusammengelebt. Seine düsteren Ahnungen haben ihre Wurzel in Bemerkungen, die er als Kind aufgeschnappt hat, ohne sie interpretieren oder in einen Zusammenhang bringen zu können. Walther stirbt in geistiger Umnachtung, und das letzte, was er hört, ist das Bellen des Hundes und des Lied des Vogels.</p>
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		<title>Der Runenberg</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Jul 2010 07:45:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Märchenhaftes]]></category>
		<category><![CDATA[Schwarze Romantik]]></category>

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		<description><![CDATA[<strong>Ludwig Tieck</strong> ♦ Ein junger Mann hat auf dem Runenberg eine mystische Begegnung, die er zwar jahrelang verdrängen kann, die am Ende aber doch stärker ist als das Band zu seiner Familie. <a href="http://www.habenichtse.de/marchen/der-runenberg/"> lesen ...</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kunstmärchen von <a href="http://www.habenichtse.de/biografie/ludwig-tieck/" target="_self">Ludwig Tieck</a><br />
Erstveröffentlichung 1804</p>
<h3>Inhalt</h3>
<p>Ein junger Mann namens Christian hat sein Elternhaus verlassen, denn der ihm scheinbar vorgezeichnete Lebensweg &#8212; sein Vater ist Schlossgärtner &#8212;  ist nicht der, den er bei freier Wahlmöglichkeit wählen würde. Auch der kurzzeitig verspürte Wunsch, Fischer zu werden, hält nicht lange vor; ebenso scheitert der Versuch einer Kaufmannslehre. Schließlich wird Christian zu einem Jäger in die Lehre gegeben, was seinem Naturell am ehesten zu entsprechen scheint. Tatsächlich zeigt sich Christian gelehrig, doch seine Neigung zur Melancholie und zur Mystifizierung der Natur wird durch das Leben als Jäger immer mehr verstärkt. Er sucht die Einsamkeit des Gebirges, wo er eines Tages eine Alraune findet. Als er sie gedankenlos herauszieht, hört er ihr sehnsuchtsvolles Klagen, das zur Prophezeiung für seinen Lebensweg zwischen dunkel Triebhaftem und lichter Rationalität wird.</p>
<p>Im Gebirge trifft Christian einen Mann, der ihm vom sagenhaften Runenberg, nicht weit von hier, erzählt. Unwiderstehlich zieht ihn seine Sehnsucht zu diesem Berg, auch wenn der dämonisch, schroff und abweisend erscheint. Durch ein Fenster beobachtet er eine singende Frau mit langen, dunklen Locken, makellos schön, doch igendwie »nicht von dieser Welt«. Sie entkleidet sich und hantiert mit einer juwelenbesetzten Tafel voller unverständlicher Zeichen, die sie schließlich dem Jüngling als Andenken überreicht. Christian hält die kostbare Tafel krampfhaft in den Händen, als er, halb im Schlaf, wieder ins Tal absteigt. Doch als er am Morgen erwacht, ist die Tafel fort, und alles scheint wie ein Traum.</p>
<p>In einem nahegelegenen Dorf findet er eine Anstellung als Gärtner bei einem reichen Pächter. Und nicht nur das. Der Pächter hat eine schöne Tochter, die blonde Elisabeth, die bald Christians Frau wird. Die beiden führen eine glückliche Ehe, haben viele Kinder und auch wirtschaftlichen Erfolg. In seinen Träumen sieht Christian manchmal noch die dunkle Königin auf dem Runenberg, doch lange Zeit scheint diese »Gegenwelt« beherrschbar. Einmal droht Gefahr, als Christian seinen Vater besuchen will und aus diesem Grund durch Gebirge geht. In dem Moment, als er den Lockungen der dunklen Welt nachgeben will, erscheint, wie aus dem Nichts, sein Vater und führt ihn noch einmal in die lichte Welt seiner Ehe mit Elisabeth zurück.</p>
<p>Doch die Versuchung wird stärker, als ein Fremder im Dorf erscheint und eine größere Menge Geld bei Christian zur sicheren Verwahrung hinterlässt. Der inzwischen bei ihm lebende Vater erkennt wohl, welche unheimliche Macht des Geld über Cristian hat. Er mahnt ihn zur Frömmigkeit und muss erkennen, dass es nicht die Gier nach noch mehr Besitz ist, die seinen Sohn umtreibt und von den Seinen entfernt. Christian gesteht seinem Vater, dass er zwar mit Leichtigkeit über Jahre sein Innerstes verbergen und ein scheinbar normales Leben führen kann, doch die Stimmen &#8212; die der Alraune und der Gesang der Bergkönigin &#8212; verstummen nie ganz. Als der Vater von der Alraune hört, weiß er (der Gärtner!), wie es wirklich um seinen Sohn steht. Während des Erntedankfestes entfernt sich Christian von der Gemeinde und sieht das Dorf von einem Hügel herab &#8212; so, wie er es vor Jahren gesehen hat, als er vom Runenberg kam und seine Frau ein schönes junges Mädchen war. Er meint, »ein hohes ewiges Glück« gegen etwas Vergängliches eingetauscht zu haben:</p>
<blockquote><p><em>Wie habe ich mein Leben in einem Traume verloren!</em></p></blockquote>
<p>Christian übergibt sich dem Wahn, der für ihn freilich Realität ist, und verlässt seine Familie. Er lebt mit einem alten Waldweib, das für ihn gleichzeitig der Fremde und die schöne Bergkönigin ist. Elisabeth heiratet erneut und bekommt weitere Kinder, doch ihrer zweiten Ehe ist kein Glück beschieden: mit der Wirtschaft geht es bergab und ihr neuer Ehemann wird darüber zum Trinker. Einmal noch kommt Christian in die Nähe des Dorfes und zeigt sich Elisabeth sowie seiner ältesten Tochter, die sich vor ihm fürchtet. In seinem Wahn zeigt er ihnen seine »Schätze«: einen Sack voller Kiesel, Quarzstücke und andere Steine. Danach ward er in der Gegend nie mehr gesehen.</p>
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